20.06.2013 | Zur Genese des Nationalismus im Nahen Osten

Referent: Hannes Bode

Wie in Europa, sind auch im Nahen Osten die Nationen nichts als vorgestellte Gemeinschaften mit erfundenen Traditionen. Doch reicht es nicht, dies bloß zu konstatieren. Vielmehr muss die Analyse sich damit beschäftigen, welche Akteure vor welchem gesellschaftlichen Hintergrund zur Idee der Nation fanden, was für eine Gemeinschaft sie sich vorstellten und was für Traditionen sie zu deren identitärer Legitimation konstruierten.

Welche Konzepte von Nation beziehungsweise nationaler Identität setzten sich im Zuge der Einbindung des Nahen Ostens in das globale kapitalistische System, im Zuge der kolonialen Durchdringung der Region und im Zuge damit verbundener rasanter gesellschaftlicher Umbruchprozesse durch? Wo finden sich Parallelen, wo Unterschiede zur bürgerlichen Öffentlichkeit, wie sie nach Habermas im Mittelpunkt der europäischen Moderne- und Aufklärungshistoriographie steht; und wo finden sich Parallelen und Unterschiede zur europäischen Krise der Moderne und den mit ihr verbundenen faschistischen und antisemitischen Krisenbewältigungsideologien? Welche Rolle spielte schließlich Deutschland bei der Verbreitung des modernen Antisemitismus im Nahen Osten? Und was hat das alles mit dem Bürgerkrieg in Syrien zu tun?

Im Vortrag wollen wir die aufgeworfenen Fragen vor dem Hintergrund ihrer Bedeutung für die heutige Realität im Nahen Osten sowie „unseren“ Blick darauf diskutieren.

20.06.2013 | 19 Uhr | L.E.D.E.R.E.R. e.v. (Lederergasse 25, 93047 Regensburg)

JigraBode