Termin: 17.01.2013
Titel: Anknüpfungspunkte der extremen Rechten in antikapitalistischen Bewegungen
Referent: Lothar Galow-Bergemann

Seit dem Offenkundigwerden der Krise des Kapitalismus im Jahr 2008, wird wieder mehr über das Wirtschaftssystem gesprochen. Nimmt man das Wort Kapitalismus in den Mund, resultiert daraus nicht mehr automatisch der häufig diskussionsbeendende Vorwurf „Marxist_in“ zu sein. Leider wird in den laufenden Debatten dafür jedoch wenig über Ware, Wert, Arbeit, Kapital, Mehrwert und Ausbeutung gesprochen, sondern primär von Gier, Spekulation, Heuschrecken und dem „1 %“.

Auch innerhalb der neu entstandenen Protestbewegungen ist es mit einem Verständnis vom wertförmig vermittelten Ausbeutungsverhältnis oft nicht weit her. Die Finanzmärkte oder alternativ die Bänker sind die Schuldigen, die „Realwirtschaft“ ist tendenziell ein Verbündeter dem geholfen werden muss. Aus diesem Verständnis resultiert, dass es in Teilen der neuen Protestbewegungen eine offene Flanke nach Rechts gibt.

Im Vortrag soll ein Überblick über diesen „regressiven Antikapitalismus“ gegeben werden und zur Diskussion über das nationalistische und antisemitische Potential in den Bewegungen angeregt werden.

Termin: 21.02.2013
Titel: „Antiimperialismus“ – Anschlussfähig nach Rechts?
Referent: Olaf Kistenmacher

Der Imperialismus wurde erst im frühen 20. Jahrhundert mit den Schriften Wladimir I. Lenins und Rosa Luxemburgs zum zentralen Thema marxistischer Theorie, auch wenn die Analysen bereits in Marxʼ Kritik der politischen Ökonomie angelegt waren. Dabei unterscheiden sich, so die These des Vortrags, Lenin und Luxemburg wesentlich: Luxemburg analysierte von ihrem antinationalen Standpunkt aus in „Die Akkumulation des Kapitals“ 1913 den Imperialismus als strukturelles Phänomen der weltweiten Kapitalisierung. Lenin hingegen schuf in „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“ 1916 die Grundlage, um fortan den Nationen ein „Finanzkapital“ gegenüberzustellen, das die Welt beherrsche. So standen sich global scheinbar zwei Klassen gegenüber: die „unterdrückten Nationen“ auf der einen Seite und der „Parasitismus, der dem Imperialismus eigen ist“ auf der anderen. Seit Mitte der 1920er Jahre war es üblich, den berühmten Aufruf aus dem Kommunistischen Manifest um ein weiteres revolutionäres Subjekt zu erweitern: „Proletarier aller Länder und unterdrückte Völker der Welt, vereinigt euch!“

Der Vortrag beleuchtet diese Traditionslinien des linken Antiimperialismus und zeigt, inwiefern der positive Bezug auf die Nationen bis in die Gegenwart ein Problem darstellt. Am Beispiel des Begriffs „Finanzkapital“ wird die Anfälligkeit zu verschwörungstheoretischen Denkweisen deutlich, die ein wesentlicher Grund sind, warum Antiamerikanismus und Antisemitismus innerhalb der Linken bis heute nicht verschwunden sind.

Termin: 21.03.2013
Titel: Die Staatsgründung Israels und palästinensischer Nationalismus
Referent: Alex Feuerherdt

Nur wenige Stunden nach der Gründung Israels am 14. Mai 1948 erklärte eine Allianz arabischer Staaten dem jüdischen Staat den Krieg mit dem Ziel seine Gründung ungeschehen zu machen. Im Zuge dieses und des vorangegangen Bürgerkrieges zwischen jüdischen und arabischen Milizen verließen mehrere hunderttausend palästinensische Araber_innen das Land.

Die palästinensische Seite vertritt bis heute unverrückbar die Position, dass die Gründung des jüdischen Staates eine „Nakba“, also eine Katastrophe – vergleichbar mit dem Holocaust – gewesen sei und dass erst jüdisch-zionistische Milizen und danach die israelische Armee die palästinensischen Araber_innen gezielt und systematisch vertrieben hätten. Dieser Mythos wird auch von den europäischen Sympathisant_innen der Palästinenser_innen vertreten, denen die Palästinenser_innen durchweg als so unschuldige wie harmlose Opfer einer generalstabsmäßig geplanten zionistischen Aggression gelten.

Im Vortrag werden der Mythos „Nakba“ sowie weitere Legenden über die israelische Staatsgründung mit der Wirklichkeit konfrontiert und der Frage nachgegangen, warum diese Mythen bis heute Popularität genießen.

Termin: 16.05.2013
Titel: AfrikaBilder – Rassismus im Kinder- und Jugendbuch
Referentin: Gertrud Selzer

Auch heute noch werden Menschen aus Afrika in öffentlichen Debatten gerne in einem Atemzug mit Tieren genannt sowie als irgendwie seltsam und exotisch hingestellt. Und Afrika ist schwarz. Afrika ist arm. Afrika ist ursprünglich. Afrika ist exotisch. Afrika ist unterentwickelt. Afrika leidet an Hunger, Krieg, Korruption, Naturkatastrophen und ethnischen Konflikten. All das „wissen“ wir in Europa über Afrika. Schließlich braucht Europa ein unterentwickeltes Afrika, um sich selbst als entwickelt betrachten zu können. Es ist beeindruckend, wie aktuell und deutungsmächtig koloniale Afrikabilder „in unseren Köpfen“ noch sind.

Da das verbreitete „Wissen“ über Afrika irgendwie „in unsere Köpfe“ kommen muss, nimmt die Referentin den offenen und versteckten Rassismus in deutschen Kinder- und Jugendbüchern unter die Lupe. Sie präsentiert viele alte und neue Kinderbücher und zeigt, wie sich die große nationale Politik auch im scheinbar unpolitischen Medium Kinderbuch niederschlägt. Denn wenngleich dessen Einfluss in der Erziehung unterschiedlich groß ist, ist es doch stets ein Spiegelbild der herrschenden Werte einer Gesellschaft.

Im Vortrag soll ein historischer Abriss über Afrikabilder in deutschen Kinderbüchern gegeben, ein Blick in aktuelle Kinder- und Jugendliteratur geworfen und über positive und negative Beispiele sowie deren Bedeutung diskutiert werden.

Termin: 20.06.2013
Titel: Vorgestellte Gemeinschaften – Zur Genese des Nationalismus im Nahen Osten
Referent: Hannes Bode

Wie in Europa, sind auch im Nahen Osten die Nationen nichts als vorgestellte Gemeinschaften mit erfundenen Traditionen. Doch reicht es nicht, dies bloß zu konstatieren. Vielmehr muss die Analyse sich damit beschäftigen, welche Akteure vor welchem gesellschaftlichen Hintergrund zur Idee der Nation fanden, was für eine Gemeinschaft sie sich vorstellten und was für Traditionen sie zu deren identitärer Legitimation konstruierten.

Welche Konzepte von Nation beziehungsweise nationaler Identität setzten sich im Zuge der Einbindung des Nahen Ostens in das globale kapitalistische System, im Zuge der kolonialen Durchdringung der Region und im Zuge damit verbundener rasanter gesellschaftlicher Umbruchprozesse durch? Wo finden sich Parallelen, wo Unterschiede zur bürgerlichen Öffentlichkeit, wie sie nach Habermas im Mittelpunkt der europäischen Moderne- und Aufklärungshistoriographie steht; und wo finden sich Parallelen und Unterschiede zur europäischen Krise der Moderne und den mit ihr verbundenen faschistischen und antisemitischen Krisenbewältigungsideologien? Welche Rolle spielte schließlich Deutschland bei der Verbreitung des modernen Antisemitismus im Nahen Osten? Und was hat das alles mit dem Bürgerkrieg in Syrien zu tun?

Im Vortrag wollen wir die aufgeworfenen Fragen vor dem Hintergrund ihrer Bedeutung für die heutige Realität im Nahen Osten sowie „unseren“ Blick darauf diskutieren.

Termin: 17.10.2013
Titel: Antiziganismus – Rassismus gegen Roma
Referent: Markus End

Antiziganismus ist ein so weit verbreitetes wie langlebiges Phänomen, das in den europäischen Gesellschaften tief verankert ist. In nahezu allen Staaten Europas werden Menschen, die als „Zigeuner“ identifiziert werden, stigmatisiert, kriminalisiert, diskriminiert und sind von gewalttätigen Übergriffen bedroht oder betroffen.

Wenngleich das Thema in den letzten Jahren aufgrund pogromartiger Ausschreitungen gegen Roma einiges an Aufmerksamkeit in Medien, Wissenschaft und Teilen der großen Politik erfährt, bleibt die Auseinandersetzung doch oberflächlich, von stereotypen Vorstellungen geprägt und vor allem folgenlos. Die antiziganistische Hetze geht weiter, und das nicht nur in Ost- und Südosteuropa, wie die Berichterstattung in deutschen Medien – wohl nicht ganz zufällig – vermuten lassen könnte.

Auch in großen Teilen dessen, was gemeinhin als „kritische Öffentlichkeit“ bezeichnet wird, ist das Interesse an Antiziganismus marginal. Nicht nur mangelt es an politischen und theoretischen Analysen, auch bei offenen Angriffen steht die Selbstorganisation von Roma immer noch all zu oft alleine da.

Der Vortrag soll eine Einführung in Entstehung, gegenwärtige Praxen sowie politische und theoretische Analysen des Antiziganismus bieten. Hierbei wird der Blick auf die Mehrheitsgesellschaft gerichtet sein, ist das reale Verhalten von als „Zigeunern“ identifizierten Menschen für das Toben der Mehrheitsgesellschaft doch stets irrelevant gewesen.

Termin: 15.11.2013
Titel: JIGRA wird fünf Jahre alt, deshalb wird mal gefeiert…

Nach fünf Jahren mit dutzenden Veranstaltungen gibt es JIGRA immer noch. Dies wollen wir als Anlass nehmen, mal gemeinsam mit euch zu feiern. Denn: Wir finden, fünf Jahre können sich sehen lassen, auch wenn es uns lieber wäre, unsere Gesellschaftskritik wäre bereits obsolet. Da die in den Veranstaltungen behandelten Themen selten Anlass für ausgelassene Stimmung bieten, haben wir dafür einen extra Termin angesetzt. Geboten wird alles sein, was es für einen gelungenen fünften Geburtstag so braucht: Gute Musik von mehreren DJs, feine Getränke, leckere Snacks und – hier kommt ihr ins Spiel – viele nette Leute. Darüber hinaus wird eine Überraschung auf euch warten, die neue Gesichter hoffentlich ebenso begeistern wird wie treue Besucher_innen.

Gefeiert wird natürlich im L.E.D.E.R.E.R., was dort ebenso gut möglich ist, wie Vorträge zu veranstalten. An dieser Stelle ein großes Danke für fünf Jahre Obdach: Wir lieben euch dafür.

Termin: 21.11.2013
Titel: Die Christliche Rechte in Deutschland
Referent: Jörg Kronauer

Sowohl in der katholischen als auch in der evangelischen Kirche sind regelmäßig antimoderne, homophobe, patriarchale und extrem rechte Positionen auszumachen. Diese äußern sich etwa in der Rehabilitation von Holocaustleugnern, der Bekämpfung des Rechts auf Schwangerschaftsabbruch, der fehlenden Gleichstellung von Frauen und Homosexuellen, der Unterstützung militaristischer Praxen, der Zusammenarbeit mit extremen Rechten, der Verdrängung der eigenen Rolle während des Nationalsozialismus, der moralischen Legitimierung menschenverachtender Politik, dem Vertuschen sexualisierter Gewalt innerhalb der Kirche und in vielen anderen Punkten.

Wie passt all das mit dem universalistischen Anspruch der christlichen Kirchen zusammen? Und wie damit, dass die Kirchen an vielen Orten zu den wichtigsten Akteuren gehören, wenn es darum geht, gegen Neonaziaufmärsche mobil zu machen, für die Rechte von Flüchtlingen einzustehen und gegen die Stigmatisierung von sozial Schwachen das Wort zu erheben?

Im Vortrag sollen diese Fragen diskutiert, ein Überblick zur christlichen Rechten in Deutschland und deren aktueller Entwicklung gegeben sowie etwaige Interventionsmöglichkeiten eruiert werden.

Termin: 05.12.2013
Titel: Politisierung der Lust – Sexualität im Nationalsozialismus
Referentin: Ljiljana Radonic

Die Vorstellungen über die Geschlechterverhältnisse im Nationalsozialismus sind von der desexualisierten Mutter bestimmt. Der weibliche Körper soll als politisches Feld für die Rassenpolitik gedient haben, Lust und Sinnlichkeit im Sinne der bevölkerungspolitischen Aufgabe unter Kontrolle gehalten worden sein. Wenngleich die rassistische Bevölkerungspolitik starke Auswirkungen auf den Bereich der Sexualität hatte, ist das oben skizzierte, umfassend sexualfeindliche Bild unzulässig unvollständig.

Es scheint, als würden die sexualfreundlicheren Aspekte des Nationalsozialismus, welche als Ausdruck rebellisch-repressiver Entsublimierung gelten können und aus einer bereits von Anfang an im Nationalsozialismus immanenten Untergangsstimmung resultieren, seit der Nachkriegszeit systematisch verschwiegen.

Im Vortrag soll ein Überblick über die Sexualpolitik im Nationalsozialismus gegeben und der Frage nachgegangen werden, warum bestimmte Aspekte dieser Sexualpolitik heute partout nicht mehr mit dem Nationalsozialismus in Verbindung gebracht werden.

Termin: 19.12.2013
Titel: Geschlechterrollen in der extremen Rechten
Referentin: Frauke Büttner

Die allgemeinen Vorstellungen von Geschlechterrollen in der extremen Rechten sind schnell skizziert: Der Mann ist gewalttätig, verkörpert soldatische Tugenden und vertritt die „Bewegung“ nach Außen. Die Frau erzieht daheim den deutschen Nachwuchs, ist im vorpolitischen Raum aktiv und schmiert ihrem Mann Brote für die nächste Demonstration. Inwiefern diese Vorstellungen mit der Realität in Einklang zu bringen sind und was dabei auf der Strecke bleibt, soll Inhalt des Vortrages sein.

Eine Analyse der Geschlechterrollenmodelle innerhalb der extremen Rechten erscheint nicht zuletzt deshalb von Bedeutung, da diese nach wie vor eine entscheidende Rolle hinsichtlich der Hinwendung und dem Verbleib von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der Szene spielen. Darüber hinaus sind Geschlechterrollen für das Konstrukt der völkisch-rassistischen Gemeinschaft von elementarer Bedeutung.

Im Vortrag soll ein Überblick über die tiefgehende Bedeutung der Kategorie Geschlecht für die Ideologie und Praxis der extremen Rechten gegeben und nach Schnittmengen ihrer Vorstellungen mit denen der Mehrheitsgesellschaft gefragt werden.

Termin: 16.01.2014
Titel: Antisemitismus in KPD und SED?
Referentin: Birgit Schmidt

In der Historik und für die Linke gilt, dass die KPD keine antisemitische Partei gewesen ist. Das ist richtig, und stimmt dennoch nicht, denn angesichts des Siegeszuges der Nationalsozialisten setzte die KPD-Führung auf die ideologische Rückgewinnung der nationalisierten Massen und buhlte um den „deutschen Arbeiter“ auch dort, wo er sich bereits in SA- oder SS-Uniform befand, und entschied sich somit eindeutig für die Verfolger und nicht für die Verfolgten.

Die Referentin analysiert berühmte Lagerromane und weist nach, dass dort, wo Kommunisten dazu angehalten waren, sich agitatorisch um die SS-Wachmannschaft zu bemühen, einer Solidarisierung mit Juden, aber auch mit den anderen Opfern des Nationalsozialismus, bewusst entsagt wurde. Die antisemitische Verfolgungswelle in allen Staaten des Stalinschen Einflussbereiches zu Beginn der fünfziger Jahre wurde in der DDR von einer Literatur flankiert, die den Zionismus mit Faschismus, gar mit Nationalsozialismus, gleichsetzte und ansonsten darum bemüht war, das antisemitische Wesen des Nationalsozialismus zu leugnen und die Kommunist_innen in den Fokus der Verfolgungen zu rücken.

Im Vortrag soll über die Ursachen, Dimensionen und Folgen antisemitischer Bilder in der KPD- und SED-Literatur diskutiert werden, welche stets als Ausdruck politischer Positionierungen der Partei gelesen werden müssen.

Termin: 20.02.2014
Titel: Vom Flüchtlingsprotest zum Non-Citizen Struggle
Referenten: Emil Mosebach und Mathias Roth

Seit dem Suizid Mohammad Rahsepars in einem Würzburger Flüchtlingslager im Januar 2012 entwickelte sich deutschlandweit eine selbstorganisierte Protestbewegung von Flüchtlingen. Anfänglich auf ein Protestzelt in Würzburg beschränkt, dehnte sich ihr Kampf gegen die Bedingungen, unter denen sie in Deutschland zu leben gezwungen sind, auf mehrere Städte aus, in denen ebenfalls Protestzelte errichtet wurden. Schließlich organisierten sie einen Protestmarsch von Würzburg nach Berlin, um ihren Forderungen an dem Ort Gehör zu verschaffen, an dem europäische Abschottungs- und Abschiebepolitik politisch beschlossen wird. Daran anschließend entstanden auch in Berlin Protestzelte, es gab einen Hungerstreik am Brandenburger Tor und vielfältige andere Aktionen.

Nach diesen Etappen dauert der Kampf für ein Leben, das diesen Namen auch verdient, noch immer an, an vielen Orten entstehen neue Auseinandersetzungen und die europaweite Vernetzung der Proteste wird vorangetrieben. Die Bezeichnung Flüchtling wurde von einem Teil der Kämpfenden mittlerweile bewusst abgelegt und durch die Selbstbezeichnung Non-Citizen ersetzt. Denn: Sie verstehen sich nicht als Bittsteller, womit der Begriff des Flüchtlings häufig verbunden wird, sondern fordern selbstbewusst ein gutes Leben für all jene, die als „Nicht-Bürger“ keinen Zugang zu weiten Teilen der Gesellschaft haben.

Im Vortrag berichten zwei lokale Unterstützer von ihren Erfahrungen während des Protestzeltes in Regenburg, des Protestmarschs sowie weiterer Etappen der Auseinandersetzung. Hierfür wurden bewusst Unterstützer eingeladen, da eine Mobilisierung der deutschen Mehrheitsgesellschaft nicht alleine Aufgabe der Flüchtlinge/Non-Citizens sein kann.

Termin: 20.03.2014
Titel: Transformation des Rassismus: Ist „Kultur“ die neue „Rasse“?
Referent: Florian Eisheuer

Im Grundgesetz der BRD sowie einer Reihe weiterer Gesetze ist er noch zu finden, ansonsten ist er rar geworden. Der Begriff der „Rasse“. Selbst Neonazis und extreme Rechte vermeiden ihn häufig, denn: Seiner öffentlichen Verwendung haftet im postnazistischen Deutschland etwas unredliches an, nicht jedoch der generellen Ansicht, dass sich die Menschheit in klar unterscheidbare Gruppen einteilen lässt. Trotz der überwiegenden Abwesenheit des biologischen Arguments werden „Völker“ und „Kulturen“ als quasi natürliche Einheiten verstanden.

Ist also Kultur die neue „Rasse“? Bezüglich öffentlicher Diskurse gilt es diese Frage zu bejahen. Damit ist nicht bestritten, dass daneben in Teilen der Wissenschaft sowie des „gesunden Volksempfindens“ weiterhin kein Zweifel darüber zu bestehen scheint, dass nicht nur Pflanzen und Tiere biologisch klar abgrenzbar wären. Konfliktreich geht es bei diesem Nebeneinander an Erklärungen nur selten zu, ist die zentrale Funktion der Differenzierung doch die gleiche: Nationale und ethnische Wir-Gruppen-Konstruktionen werden vollzogen und soziale Unterschiede legitimiert.

Im Vortrag sollen die Gründe für die Transformation hin zu einem „Rassismus ohne Rassen“, dessen Funktionsweise sowie konkurrierende Erklärungen diskutiert werden.

Termin: 17.04.2014
Titel: Schwundgeld, Freiwirtschaft und Rassenwahn
Referent: Peter Bierl

Auch unter Linken, Globalisierungskritiker_innen und Kapitalismusgegner_innen machen sich seit Jahren, in letzter Zeit verstärkt durch die irritierenden Umstände der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise, die falschen Vorstellungen des Freiwirtschaftstheoretikers Silvio Gesell (1862–1930) wieder breit.

Auch wenn Gesell selbst dem allgegenwärtigen Antisemitismus seiner Zeit weitgehend abhold war, bietet seine über weite Strecken rassistische Lehre, seine um die Produktionssphäre verkürzte Kapitalismuskritik, seine horriblen Visionen von einem neuen Manchesterkapitalismus, sein Sozialdarwinismus und seine Frauenfeindlichkeit noch heute vielen Verschwörungstheoretiker_innen, rechten und antisemitischen Gegner_innen eines anonymen „Finanzkapitalismus“, aber eben auch wohlmeinenden und naiven Kritiker_innen von „Geld und Zins“ eine ideologische Heimstätte.

Im Vortrag soll eine kritische Darstellung der Gesellianer, bzw. der Freiwirtschaftsbewegung, ihrer Theorie und Entwicklung, ihrer Vorläufer und ihres aktuellen Einflusses in Deutschland gegeben werden.

Termin: 15.05.2014
Titel: „Einmal Palästina und zurück. Ein jüdischer Lebensweg.“ Lesung und Diskussion
Referent: Karl Pfeifer

Als 1938 das Leben jüdischer Bürger unter der nationalsozialistischen Herrschaft auch in Österreich zunehmend erschwert wurde, gelingt Karl Pfeifer mit knapper Not gemeinsam mit seinen Eltern die Flucht ins Ausland. Von Baden bei Wien erreichen sie Budapest, Karl ist gerade 10 Jahre alt. Vier Jahre später ist aber auch dort die Lage nicht mehr sicher. Noch mitten im Zweiten Weltkrieg landet der 14-jährige Karl – nun bereits ohne Familie und auf sich allein gestellt – im britischen Mandatsgebiet Palästina. Im Kibbuz kümmert man sich um ihn und er erhält Unterricht. 1946 tritt Karl Pfeifer einer Eliteeinheit der „Hagana“ bei und kämpft im israelischen Unabhängigkeitskrieg. 
1951 kehrt Karl Pfeifer auf abenteuerlichem Weg über die Schweiz und Frankreich nach Österreich zurück und arbeitet seit 1979 als Journalist.

Der Vortrag konzentriert sich auf die wichtigsten politischen Ereignisse aus der Zeit des Nationalsozialismus und seiner Judenverfolgung sowie der Gründung des Staates Israel. Vor der Folie des historischen Hintergrunds zeigt es ein bewegtes Leben in stürmischen Zeiten.