Herbstreihe 2012

18.10.2012
Neonazistischer Terror
{Robert Andreasch}

Nach Bekanntwerden der Mordserie des „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) war das Entsetzen bei Sicherheitsbehörden wie in der Bevölkerung groß. Neonazis konnten über Jahre hinweg ungestört einen rassistischen Mordfeldzug durchführen und dabei mindestens zehn Personen ermorden. Dabei hätte zumindest den Sicherheitsbehörden nicht entgangen sein dürfen, dass es innerhalb der neonazistischen Rechten seit Jahrzehnten terroristische Strukturen gibt. Die Wehrsportgruppe Hoffmann und die Terrorgruppe rund um den Neonazi Martin Wiese sind hierbei nur die bekanntesten Beispiele. Auch in den letzten Jahren ka es bei Razzien innerhalb der Neonaziszene regelmäßig zu Waffen- und Sprengstofffunden. Zudem werden laufend Konzepte über einen bewaffneten Kampf innerhalb der Szene diskutiert. Warum konnten oder wollten die Sicherheitsbehörden daraus nicht die richtigen Schlüsse ziehen?

Im Vortrag soll eine Überblick über den Terror von Rechts sowie das Verhalten der Sicherheitsbehörden gegeben werden.

15.11.2012
Die Bundeswehr und die extreme Rechte
{Lucius Teidlbaum}

Als Einzelfälle, gar Missverständnisse werden extrem rechte Vorkommnisse in der Bundeswehr von offizieller Seite gerne bezeichnet. Doch bei genauerem Hinsehen entsteht der Eindruck, es stecke ein System hinter den Skandalen. Es scheint, es gibt eine extrem rechte Subkultur in der Truppe. Ist die Bundeswehr also die größte Wehrsportgruppe Deutschlands oder doch nur ein Heer von Einzeltätern? Welche Rolle spielt die Traditionspflege der Bundeswehr in diesem Zusammenhang? Wer versucht wie von Außen Einfluss auf die Bundeswehr zu nehmen und wie sieht es im Innern aus?

Im Vortrag sollen diese Fragen erörtert und die Einschätzungen anschließend diskutiert werden.

06.12.2012
Was ist „Anti-Antifa“?
{Jörg Kronauer}

Antifaschist_innen und Personen die sich gegen Neonazis engagieren geraten regelmäßig ins Visier der extremen Rechten. Diffamierungen, Drohungen und Angriffe seitens der Neonazis sind häufig die Folge. Doch nicht nur diese von den Neonazis offen propagierte „Anti-Antifa“-Arbeit haben Nazigegner_innen zu fürchten, auch eine Delegitimierung ihres Engagements durch Teile von Politik, Sicherheitsbehörden und Medien machen ihnen ihre Arbeit häufig unnötig schwer. Warum kommt es zu diesen Behinderungen? Welche Interessen stehen dahinter? Wer sind die Stichwortgeber?

Im Vortrag soll ein Überblick über die „Anti-Antifa“-Arbeit von Neonazis bis hin zu Teilen der etablierten Medien, Wissenschaft und Politik vermittelt werden.

Veranstaltungsreihe 2011 / 2012

20.10.2011
Extreme Rechte und völkischer Mainstream in Ungarn
{Karl Pfeifer}

Neuigkeiten aus Ungarn hört man in den letzten Jahren ungern. Erinnert sei an die Serienmorde an Roma durch extreme Rechte mit Rückendeckung der Bevölkerung, den Einzug der offen antiziganistischen und antisemitischen Partei Jobbik mit 12 % ins Parlament sowie den Wahlsieg der rechtspopulistischen Partei Fidesz unter Ministerpräsident Orban. Schlagzeilen in Deutschland machte auch der Entwurf eines restriktiven Mediengesetzes im Dezember 2010, eher im Stillen vollzieht sich die völkische Außenpolitik sowie die repressive Sozialpolitik Ungarns: Im Mai 2010 hat Ungarn ein Gesetz zur doppelten Staatsangehörigkeit verabschiedet, welches „Auslandsungarn“ die ungarische Staatsangehörigkeit verleiht. Diese Änderung im Staatsangehörigkeitsrecht führt zwangsläufig zu Konflikten mit dem Nachbarland Slowakei, seien doch 10% der slowakischen Staatsbürger nach völkischen Verständnis „Magyaren“. Ebenso um staatliche Beschäftigungsprogramme, in welchen hauptsächlich Roma zu härtester körperlicher Arbeit unter miserablen Bedingungen gedrängt werden, ist es eher ruhig.

Der Vortrag soll einen Überblick über die Geschichte, Entwicklung und Gegenwart rechter und völkischer Bewegungen in Ungarn geben.

17.11.2011
Antisemitismus und Antizionismus von links: Die KPD der Weimarer Republik und die SED in der frühen DDR
{Olaf Kistenmacher}

Die Haltung der kommunistischen und sozialistischen Parteilinken ist von einer eigentümlichen Zweideutigkeit gekennzeichnet: Einerseits bekämpften sie Judenhass und judenfeindliche Parteien. Andererseits fanden sich in der Weimarer Republik wiederholt antisemitische Aussagen in der Presse der KPD, und in der DDR wurden unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg Jüdinnen und Juden als angebliche „zionistische Agenten“ verfolgt. Der Vortrag rekonstruiert die Entwicklungsgeschichte dieses Antisemitismus von links, der sich zwar wesentlich vom Judenhass der Nationalsozialisten unterscheidet, aber zur staatlichen Verfolgung von Jüdinnen und Juden geführt hat. „Juden“ bzw. „Zionisten“ wurden in parteioffiziellen Veröffentlichungen immer wieder als Vertreter des Kapitals und der herrschenden Klasse dargestellt. Entsprechend unterstützte die Kommunistische Internationale den Zionismus nicht – anders als andere Nationalbewegungen. Vielmehr setzte die KPD den Zionismus bereits Ende der 1920er Jahre mit dem Nationalsozialismus gleich und begrüßte 1929 ein Pogrom in Palästina, bei dem über hundert Jüdinnen und Juden ermordet wurden.

Vor dem Hintergrund eines bis heute virulenten Antizionismus und Antisemitismus auch in Teilen der Linken erscheint ein Rückblick auf die Entstehung und Geschichte notwendig.

15.12.2011
Entsorgte Religionskritik, unverstandener Antisemitismus und weitere linke Schwierigkeiten im Umgang mit dem antimuslimischen Ressentiment
{Markus Mersault und Lothar Galow-Bergemann}

Die einen glauben, der neue Antisemitismus heiße Islamophobie, die anderen, dass sich im Moslemhass nur der althergebrachte Rassismus verberge. Einige empfinden Kritik an islamischen oder islamistischen Zuständen als Verletzung der Menschenwürde, andere betreiben nicht Religionskritik, sondern einzig Islamkritik. Wie hat eine emanzipatorische Kritik an rassistischen und antimuslimischen Ressentiments ebenso wie an Begriffslosigkeit, unverstandenem Antisemitismus und Kulturrelativismus auszusehen, ohne die Kritik der Religion und die Kritik an fundamental-religiösen Zuständen gleich mit zu entsorgen?

Diesen scheinbar schwierigen Fragen wollen wir uns annehmen, erscheint dies aufgrund überwiegend ideologisch motivierter Positionierungen zum Thema notwendig.

19.01.2012
“Deutschlands Stoßtrupp” – Der BdV in der deutschen Nachkriegsgeschichte
{Erich Später}

Im Bund der Vertriebenen (BdV) und seinen Mitgliedslandsmannschaften waren seit der Gründung viele hochrangige NSDAP- und SS-Mitglieder in führender Stellung aktiv. Diese Täter, die sich in einem Opferverband zusammenschlossen, da sie laut Eigeneinschätzung in der „Charta der deutschen Heimatvertriebenen“ die „vom Leid dieser Zeit am schwersten Betroffenen“ waren, konnten nicht zuletzt wegen der Bemühungen des BdV in die neue Bundesrepublik integriert werden. Die aktive Zeit der NS-Täter im BdV ist heute vorüber, die von ihnen maßgeblich mitgestalteten Formen des Erinnerns und Gedenkens wirken jedoch bis heute fort. Die im Jahr 2008 vom deutschen Bundestag beschlossene Dauerausstellung im Berliner „Deutschland-Haus“, deren Fokus auf dem „Leid der deutschen Vertriebenen“ liegen soll, ist ein aktuelles Beispiel hierfür.
Im Vortrag soll sowohl die Geschichte als auch die aktuelle Politik des BdV beleuchtet werden.

16.02.2012
Vom Rassismus der Machteliten – Der Versuch einer vorläufigen Bilanz der Sarrazin Debatte
{Jörg Kronauer}

Die Veröffentlichung des Buches „Deutschland schafft sich ab“ durch das SPD-Mitglied und ehemalige Vorstandsmitglied der Bundesbank Thilo Sarrazin, sowie die massive Schützenhilfe für dessen Thesen durch Teile der deutschen Presselandschaft, hat es mal wieder offensichtlich gemacht: Es gibt in Deutschland ein Problem mit Rassismus auch jenseits des rechten Randes. Das Gerede von „Kopftuchmädchen“ produzierenden, faulen und dummen Muslimen stieß auf derlei viel Zustimmung, dass populistische Parteien rechts der Union sich Hoffnungen auf die Entwicklung politischer Relevanz machten und die SPD sich nicht zu einem Ausschluss Sarrazins aus der Partei durchringen konnte.
Im Vortrag sollen Funktionsweisen der rassistischen Kampagne sowie die Nachwirkungen untersucht werden.

01.03.2012
Antiziganismus und Ausnahmezustand – Der „Zigeuner“ in der Arbeitsgesellschaft
{Roswitha Scholz}

Antiziganismus ist ein weit verbreitetes und virulentes Phänomen, das in den westlichen Gesellschaften tief verankert ist. In nahezu allen Staaten Europas werden Menschen als »Zigeuner« diskriminiert und teilweise verfolgt. Gleichzeitig mangelt es an politischen und theoretischen Analysen, weshalb die Referentin den Versuch einer umfassenderen theoretischen Analyse und Einordnung des Antiziganismus vornimmt. So untersucht sie unter anderem die Parallelen und Differenzen zwischen dem deutlich besser erforschten Phänomen Antisemitismus und Antiziganismus. Weiter wird die Verfolgung von als „Zigeunern“ identifizierten Personen im Zusammenhang mit neuzeitlichen Disziplinierungsprozessen im Kapitalismus analysiert und das Bild des „Zigeuners“, welches sowohl von Neid und Sehnsucht als auch Angst und Hass von in kapitalistische Produktionsverhältnisse integrierte Personen geprägt ist, untersucht.

Der Vortrag soll theoretische Grundlagen für eine weitere Auseinandersetzung mit diesem wirkungsmächtigen Ressentiment liefern.

19.04.2012
Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg
{Karl Rössel}

Millionen Soldaten aus Afrika, Asien und Ozeanien haben im Zweiten Weltkrieg gekämpft, um die Welt vom deutschen und italienischen Faschismus sowie vom japanischen Großmachtwahn zu befreien. Sowohl die faschistischen Achsenmächte als auch die Alliierten rekrutierten in ihren Kolonien Hilfstruppen und Hilfsarbeiter oftmals mit Gewalt. Hunderttausende Frauen waren Opfer sexueller Gewalt. Rekruten aus den Kolonien mussten sich mit weniger Sold, schlechteren Unterkünften und geringeren Kriegsrenten als ihre «weißen Kameraden» zufrieden geben. Weite Teile der Dritten Welt dienten auch als Schlachtfelder und blieben nach Kriegsende verwüstet und vermint zurück. Doch so gravierend die Folgen des Zweiten Weltkriegs in der Dritten Welt auch waren, in der hiesigen Geschichtsschreibung kommen sie nicht vor.

Der Vortrag soll diesen weißen Fleck in der Geschichtsschreibung des Zweiten Weltkriegs beleuchten und zu einer Auseinandersetzung mit den Folgen anregen.

Vortragsreihe 2010

20.05.2010
Faschismustheorien
{Alexander Carstiuc }

Der Vortrag bietet eine Einführung und einen Überblick über Entstehung, Ideologie, Geschichte, sowie Aktualität und globale Dimension des Phänomens Faschismus. Der Terminus Faschismus steht für die Tat von Auschwitz, den Zweiten Weltkrieg und andere Massenmorde. Unzählige Theorien und Analysen sind dazu verfasst, etliche Personen und Systeme sind zu Recht oder zu Unrecht als faschistisch bezeichnet worden. Debatten zur Begrifflichkeit wurden häufig unwissenschaftlich geführt. In dieses Wirrwarr soll etwas Klarheit gebracht werden.

15.07.2010
Europäische Rechte
{Referent: Jörg Kronauer}

Im Vortrag soll ein Überblick zu wirkungsmächtigen rechten Parteien und Bewegungen in Europa gegeben werden. Wie entwickelte sich die Rechte in verschiedenen europäischen Ländern nach 1945 und was für Auswirkungen hatte das Ende des Realsozialismus? Wo ist die Rechte besonders erfolgreich, wie sehen ihre Strukturen aus, was finden aktuell für Entwicklungen statt und welche Art der Zusammenarbeit der Rechten gibt es in Europa?

16.09.2010
Deutsche Südosteuropapolitik im Wandel der Zeit
{Referent: Klaus Thörner}

Im Vortrag soll eine Zusammenfassung deutscher Südosteuropapolitik seit der Staatsgründung Deutschlands erfolgen. Welche Kontinuitäten gibt es bezüglich ideologischer Muster sowie politischer und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen? Was sind die Gemeinsamkeiten und Unterschiede während des Kaiserreichs, der Weimarer Republik, des NS-Faschismus sowie der Bundesrepublik? Gibt es einen „deutschen Drang nach Südosten“?

07.10.2010
Rassismus und Wertgesetz
{Referent: Stephan Grigat}

Im Vortrag soll Rassismus speziell an Hand der polit-ökonomischen Bedingungen erklärt werden, unter denen dieser ständig wiederkehrt. Welche Folgen hat beispielsweise die Art und Weise des Wirtschaftens oder die Existenz einer nationalstaatlich konstituierten Welt für die Denk- und Praxisformen in den modernen Gesellschaften? Wie nehmen die Menschen sich selbst und andere Menschen wahr? Welche Rolle spielt hierbei das Gleichheitsversprechen der Menschenrechte? In welchem Zusammenhang steht dieses mit dem Zwang zur Konkurrenz?

21.10.2010
Judenverfolgung im „Reichsprotektorat Böhmen und Mähren“
{Referent: Erich Später}

Mit der Besetzung Prags begann am 15. März 1939 eine sechsjährige deutsche Terrorherrschaft über das »Reichsprotektorat Böhmen und Mähren«. Erich Später schildert in dem Vortrag den Prozess der Entrechtung, Enteignung, Deportation und Ermordung der tschechischen Juden. Beispielhaft rekonstruiert er die Enteignung und Ermordung des jüdischen Ehepaares Waigner, dessen Prager Villa ein begehrtes Objekt der Begierde hoher Nazifunktionäre wurde. Den Zuschlag für die »Judenvilla« erhielt schließlich der SS-Offizier Hanns Martin Schleyer.

04.11.2010
Die Paranoia von der Weltverschwörung
{Referent: Daniel Kulla}

Niemand regiert die Welt. Der Vortrag beschäftigt sich mit den Fragen, warum so viele Menschen, Verschwörungstheorien glauben schenken. Weshalb die Gesellschaft solche Mythen benötigt und wie es durch ideologisches Verschwörungsdenken für politische Gruppen möglich wird, von sich abzulenken und stattdessen ihren Feinde die Störung der „harmonischen“ Ordnung zu beschuldigen.

18.11.2010
Geschichte des Rassismus
{Referent: Jonas Müller}

Im Vortrag soll grundlegendes Wissen zur Geschichte und Entwicklung des Rassismus vermittelt werden. Seit wann tritt Rassismus, also die Denkstruktur von der Unterschiedlichkeit der Menschen aufgrund ihrer „Abstammung“, auf? Wie entwickelte sich der Rassismus in verschiedenen geschichtlichen Epochen an unterschiedlichen Plätzen der Welt? Welche sozialen, wirtschaftlichen und politischen Ursachen liegen dem tödlichen Ressentiment zu Grunde und was für gesellschaftliche Funktionen erfüllt es?

25.11.2010 -
Filmgallerie im Leeren Beutel
Film über und Diskussion mit Karl Pfeifer
Zwischen allen Stühlen -Lebenswege des Journalisten Karl Pfeifer
{Referent:Karl Pfeifer}

1938 flüchtet Karl Pfeifer als Zehnjähriger mit seiner Familie aus Österreich, zunächst nach Ungarn. Vier Jahre später erreicht er Palästina mit einem der letzten Kindertransporte des Hashomer Hatzair. Er lebt im Kibbuz, kämpft im Israelischen Unabhängigkeitskrieg und kehrt Anfang der 50er Jahre nach Österreich zurück.
Der Film begleitet Karl Pfeifer an zentrale Orte seines Lebensweges. Orte, an denen er antisemitischen Angriffen ausgesetzt war. Orte, an denen er seine politischen Einstellungen schärfte. Seinen Lebenswegen zu folgen bedeutet jedoch auch den Bahnen und Verstrickungen des österreichischen Antisemitismus zu folgen.

02.12.2010
Europäische Flüchtlingspolitik
{Referentin: Agnes Andrae}

Der Vortrag soll Grundlagenwissen zum Themenkomplex europäische Flüchtlingspolitik vermitteln. Welche politischen und wirtschaftlichen Überlegungen liegen einer gemeinsamen europäischen Flüchtlingspolitik zu Grunde? Welche rechtlichen Grundlagen gestalten diese Politik? Wie sieht die konkrete Zusammenarbeit auf europäischer Ebene aus und warum kommt es so häufig zu Toten und Verletzen an den europäischen Außengrenzen?

16.12.2010
Neonazis und die soziale Frage
{Referent: Jan Nowak}

Seit einigen Jahren treten Neonazis gehäuft mit sozialen oder gar antikapitalistischen Forderungen in die Öffentlichkeit. Auf welche strategischen Fragen und theoretischen Konzepte gründet dies? Wie sehen die „Wirtschaftsmodelle“ aus, die in der neonazistischen Rechten diskutiert werden und welche Parallelen gibt es bezüglich Auftritt und Inhalt mit dem historischen NS-Faschismus? Im Vortrag soll, neben diesen Fragen, auch ein möglicher Umgang von sozialen Akteuren, wie beispielsweise Gewerkschaften, mit dem Phänomen sozialer Forderungen von Rechts thematisiert werden.

Vortragsreihe 2009

18.06.09
Der Iran nach der Wahl
{Referent: Stephan Grigat}

Seit Mahmoud Ahmadinejad nach offiziellen Angaben bei den Präsidentschaftswahlen der islamischen Republik Iran für eine zweite Amtszeit gewählt wurde kommt es in Teheran und anderen Städten des Landes zu Massendemonstrationen.
Islamistische Milizen gehen mit äußerster Gewalt gegen die Demonstrantinnen und Demonstranten vor und an der Universität in Teheran wurden mindestens sieben Menschen ermordet.
Stephan Grigat wird in seinem Vortrag eine Einschätzung der politischen Lage bieten und die Spannungen innerhalb des oppositionellen Spektrums erläutern, das von den reformistischen Anhängerinnen und Anhängern des unterlegenen Kandidaten Mir Hossein Moussavi bis zu jenen reicht, die einen Wandel nur durch einen Regime Change für möglich halten.

17.09.09
TOTAL EXTREM – zur Geschichte und Aktualität der Totalitarismus- und Extremismustheorie
{Referent: Jörg Kronauer}

Die Extremismustheorie besagt, dass es eine demokratische Mitte der Gesellschaft gäbe, die durch extremistische Ränder bedroht sei. Ideologien, die auch in der Mitte der Gesellschaft zu finden sind, werden hierbei auf deren „gefährliche Ränder“ projiziert. Eine solche „Mitte – Rand“– und „Rechts gleich Links“-Aufteilung erschwert die inhaltliche Auseinandersetzung mit zentralen Elementen der (Neo)Naziideologie, also die Auseinandersetzung mit rassistischen, antisemitischen, sexistischen und autoritätshörigen Einstellungen, die sich durch alle Bevölkerungsschichten ziehen. In unserer Veranstaltung wollen wir die Entstehung der Totalitarismus- und Extremismustheorie, ihre theoretischen Konzepte sowie deren praktische Auswirkungen erläutern.

15.10.09
Institutioneller Rassismus – Leben in bayerischen Flüchtlingslagern
{Referentin: Agnes Andrae }

Die strikte Lagerpflicht für Flüchtlinge ist eine bayerische Spezialität, nur wenige Bundesländer können bei der rigiden Ausgrenzung von Flüchtlingen mithalten. Um „die Bereitschaft zur Rückkehr in das Heimatland [zu] fördern“ (Durchführungsverordnung Asyl) werden Flüchtlinge in Bayern durch Arbeitsverbote, Residenzpflicht, Essenspakete und andere Schikanen unter Druck gesetzt, entmündigt und zermürbt. Die Folgen sind Krankheit, Isolation und Kriminalisierung. Dieser Vortrag soll einen Überblick über die Lebenssituation von Flüchtlingen in Bayern geben.

05.11.09
Der NS-Faschismus und seine Erben
{Referent: Joachim Bruhn }

Mit dem 08. Mai 1945 war das Gedankengut, welches die Vernichtung der europäischen Juden ermöglichte in Deutschland nicht verschwunden. In welchen Bereichen konnten Ideologiefragmente des Nationalsozialismus in die Bundesrepublik und die DDR übertragen werden? In welchen Bereichen wirkt der Nationalsozialismus bis heute nach, und wie äußert sich dies? Diese Fragen soll der Vortrag thematisieren und auf der Suche nach Antworten helfen.

19.11.09
Reaktionäre Esoterik
{Referentin: Claudia Barth }

Esoterische Strömungen erfreuen sich großer Beliebtheit. Ob Anthroposophie, Astrologie oder New Age, auf der Suche nach Erklärungen wenden sich viele Menschen spirituellen und okkulten Lehren zu, welche die absolute Wahrheit in einer „jenseitigen Welt“ verorten und oftmals auch wissenschaftliche Erkenntnisse ablehnen. In dem Vortrag soll anhand historischer und aktueller Beispiele nachgewiesen werden, wie das antihumanistische und irrationale Weltbild der Esoterik reaktionäre Strömungen stützt. Darüber hinaus wird es darum gehen, welche ideologische Rolle esoterische Strömungen bei autoritären oder auch faschistischen Entwicklungen spielten und welchen gesellschaftlichen Einfluss diese heute noch haben.

03.12.09
Ideologie, Geschichte und Aktualität des Antiziganismus
{Referent: Alexander Carstiuc}

Die Furcht vor so bezeichneten Zigeunern hat gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise in Europa wieder Konjunktur. Italien, Nordirland, Ungarn, Slowakei, Rumänien, Deutschland. Überall kommt es zu antiziganistischer Hetze, bzw. zu gewalttätigen Übergriffen auf Menschen die als Zigeuner bezeichnet werden. Der Vortrag beleuchtet die Entstehung der Ideologie des jahrhundertealten Vorurteils, die Entwicklung mit seinem Höhepunkt in der Vernichtung von 500.000 Sinti und Roma währendes des Nationalsozialismus und geht auf aktuelle Entwicklungen in Europa ein.
Hiermit soll das Thema des Vortrags „Antiziganismus – Rassismus gegen Roma und Sinti“ aus der Veranstaltungsreihe 2008 wiederaufgegriffen und vertieft werden.


17.12.09

Neonazismus in der Oberpfalz
{Referent: Jan Nowak}

Trotz anhaltender Debatten um ein Verbot der NPD, sowie Streitigkeiten innerhalb der Partei ist die neonazistische Rechte in der Oberpfalz aktiv wie seit Jahren nicht. Gehäufte Demonstrationen, der Ausbau von Infrastruktur sowie überdurchschnittlich hohe Wahlergebnisse für Parteien der extremen Rechten verdeutlichen dies. Im Vortrag sollen die Ideologien der extremen Rechten anhand lokaler Beispiele verdeutlicht, sowie die Akteure in der Region beleuchtet werden.

Vortragsreihe 2008

14.02.2008
Deutsche Burschenschaften und die extreme Rechte
{Referent: Jörg Kronauer}

Die Veranstaltung soll über die Geschichte sowie die Gegenwart der Burschenschaften in Deutschland informieren. Anhand ihrer eigenen Ideologie sowie des Regelwerks soll herausgearbeitet werden, warum nicht wenige Burschenschaften zumindest anfällig für eine Offenheit nach rechts sind. Weiter sollen anhand von auch regionalen Beispielen einige wichtige Verbindungslinien von Burschenschaften in die verschiedenen Lager der extremen Rechten aufgezeigt werden.

10.04.2008
Antiziganismus – Rassismus gegen Roma und Sinti
{Referentin: Änneke Winckel}

Der Vortrag soll einen Überblick über die Entstehung, Geschichte und Gegenwart des Antiziganismus in Deutschland verschaffen. Es soll das Bild vom „Zigeuner“, also die Ressentiments der deutschen Mehrheitsbevölkerung untersucht werden. Neben einer kurzen Einführung in die Geschichte der „Zigeuner“-Verfolgung soll anhand von Beispielen aufgezeigt werden, wie häufig uns das antiziganistische Stereotyp auch heute noch begegnet. Durch den Vortrag soll die Wahrnehmung gegenüber diesem speziellen Rassismus geschärft werden.

12.06.2008
Antisemitismus, Antizionismus und Israelfeindlichkeit
{Referent: Stephan Grigat}

Die Veranstaltung soll ein Grundwissen über verschiedene Arten und Ausdrucksformen des historischen und aktuellen Antisemitismus vermitteln. Hierbei sollen ebenfalls die Themen Antizionismus sowie Israelfeindschaft behandelt werden. Es soll der Irrglaube, Antisemitismus gäbe es nur bei den rechten Ewiggestrigen aufgelöst werden. Denn Antisemitismus und Antizionismus treten nicht nur bei Rechten, sondern auch innerhalb der Linken sowie der Mitte der Gesellschaft zu Tage. Trotz aller Verschiedenheiten gibt es stets gleiche Momente und Denkmuster. Diese sollen herausgearbeitet werden, um den Besucherinnen und Besuchern Argumente hiergegen mit auf den Weg zu geben.

18.09.2008
Homophobie und Islam
{Referent: Tjark Kunstreich musste absagen – Alex Gruber hielt den Vortrag}

In dem Vortrag soll es um die Ursprünge, Erscheinungsformen sowie die gesellschaftliche Bedeutung der Homophobie in islamischen Ländern gehen. Welche Machtverhältnisse werden durch diese tradiert und welche Bedeutung hat Homophobie auch für die Unterdrückung von Frauen? Inwieweit wird besonders in islamischen Ländern Verweiblichung von Männern als Bedrohung und Schwächung des klassischen patriarchalen Gesellschaftsmodells verstanden? Neben diesen Fragen soll es auch um die Reaktionen von Politik und Homosexuellenorganisationen in Deutschland und Europa auf die Verfolgungen von Homosexuellen in islamischen Ländern gehen.

16.10.2008
Neonazismus in verschiedenen Subkulturen
{Referent: Robert Andreasch}

Im Vortrag soll vermittelt werden, dass das Bild des Neonazis als Skinhead mit Springerstiefeln, Bomberjacke und Glatze längst obsolet geworden ist. Neonazis haben sich heute in fast allen Subkulturen sowie der Mitte der Gesellschaft breit gemacht. So finden sie sich beispielsweise in der (Black)Metal-, Hardcore- und sogar der stark migrantisch geprägten Hip-Hop-Szene. Sie bedienen sich vieler Elemente verschiedenster Jugendkulturen, um für eine möglichst breite Schicht an Jugendlichen attraktiv zu sein. Hierfür werden Beispiele in Wort, Bild und Ton gebracht. Es soll die Fähigkeit vermittelt werden Neonazis anhand ihrer Inhalte bzw. ihrer Ideologie zu erkennen um auf sie reagieren zu können.

04.12.2008 >> verschoben auf den 10.12.2008
Rechtsextreme Tendenzen innerhalb der Vertriebenenverbände
{Referent: Erich Später}

Im Vortrag soll ein Überblick über Geschichte und Gegenwart der politischen Betätigung der Vertriebenenverbände vermittelt werden. Hauptaugenmerk liegt hier auf den Verbindungen der Vertriebenenverbände zum organisierten Rechtsextremismus sowie den teils geschichtsrevisionistischen Positionen nicht weniger Verbände. Anhand personeller Kontinuitäten zwischen den Vertriebenenverbänden in früheren Jahren sowie dem „organisierten Deutschtum“ in den zeitweilig von Deutschland besetzten Gebieten soll aufgezeigt werden, dass die Verbreitung rechtsextremen Gedankengutes kein Zufall ist.